Während unserer gesamten Beziehung habe ich ihn noch nie so fassungslos erlebt. Ich weiß nicht mehr, wie wir auf das Thema kamen, aber ich habe ihm gesagt, dass ich bisexuel bin. Endlich. Es war, als ob eine Last von meinen Schultern gewichen ist, von deren Existenz ich zuvor nicht die leiseste Ahnung hatte. Ich liebe ihn. Und ich möchte bei ihm bleiben. Ob es die große Liebe ist? Das kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, auch wenn es sich so anfühlt. Denn wir sind jung. Und es kann sich noch viel ereignen. Die Zeit kann uns enger zusammenrücken lassen, aber sie kann auch eine Kluft zwischen uns treiben. Dessen bin ich mir bewusst. Er ist der erste Mensch, den ich näher an mich heran gelassen habe. Ich musste es ihm früher oder später sagen. Obwohl es, da wir zusammen sind, wohl keine Rolle mehr spielt.
03.09.2012
02.09.2012
Fünf Jahre (Geschichte)
Emily war schon immer etwas besonderes gewesen. Sie war beliebt, hübsch und ihre Eltern hatten Geld. Seit sie Zwölf war verbrachte sie jeden Morgen mindestens zwei Stunden damit, sich zurecht zu machen. Damit auch alles perfekt saß. Damit sie schön aussah. Und sich vor Komplimenten kaum retten konnte. Emily liebte alles, was süß war. Nur Emma, die nebenan wohnte, war ihr ein Dorn im Auge. Emma war das genaue Gegenteil von Emily. Unscheinbar. Still. Und weniger auf Äußerlichkeiten bedacht. Jedesmal wenn Emily auf Emma traf, gab sie stichelnde Bemerkungen von sich. Nannte Emma hässlich. Abstoßend. Fett. Wertlos. Emma sollte sich am besten erhängen, damit der Welt ihr Anblick erspart bliebe. Emily lachte sie aus. Wenn ihre Freunde dabei waren, war es noch viel schlimmer. Dann wurde Emma nicht nur verbal sondern auch nonverbal attackiert. Ihnen war es egal, was sie ihr damit antaten. Jahrelang ertrug Emma den Spott. Sie versuchte stark zu sein. Doch nach fünf Jahren war sie an einen Punkt angelangt, an dem sie zu lange stark gewesen war. Sie gab auf. Des nachts schlich sie sich aus dem Haus und sprang von einer Brücke. Ihre Leiche wurde Tage später aus dem Fluss gefischt. 'Es ist mein Schicksal' waren die letzten Worte, die sie in ihrem Abschiedsbrief hinterlassen hatte. Die Leute waren erschüttert. Sie war doch noch so jung gewesen! Keine 18. Nur Emily und ihre Freunde lachten ausgiebig. Für sie gab es einen wertlosen Menschen weniger.
Was keiner sieht
Ihr schaut mich an und denkt, ich wäre ein unscheinbares, aber glückliches Mädchen. In einem Punkt habt ihr recht. Ich bin unscheinbar. Nichts sagend. Mich übersieht man leicht. Ich bin nicht schön und auch nicht hübsch. Ich kleide mich nicht so wie ihr und habe doch keinen einzigartigen Stil. Glücklich bin ich nicht. Ein Lachen ist nicht mit Glück gleichzusetzen! Ein Lachen hilft den Schmerz zu ertragen. Wenigstens für einen kurzen Augenblick. Ihr seht nur das, was sich auf der Oberfläche befindet. Die Spitze des Eisbergs. Doch stille Wasser sind tief! Ich bin schweigsam, aber in mir schreit es! Ich bin traurig. Ich bin verletzt. Ich bin voller Wut. Die Gefühle, die in mir wüten kann ich längst nicht mehr beschreiben. Wann hört das auf? Wann kommt der Tag, an dem Licht in mein Herz kommt und mich wärmt? Und das mich glücklich macht?
L'Âme Immortelle - Blutrot
L'Âme Immortelle - Blutrot
01.09.2012
Das arme Wesen
Was bist du nur für ein armes Wesen! Vollkommen auf dein Äußeres fixiert. Stets bemüht ein perfektes Erscheinungsbild zu haben. Perfekte Haare. Perfekte Haut. Perfektes Outfit. Perfekte Freunde. Deinen Frust lässt du an anderen aus. Nämlich an denen, die schwächer sind als du. Du stichst mit Worten auf sie ein, damit du dich besser fühlst. Damit deine Möchtegern Freunde applaudieren. Dass du dabei Welten zerstörst siehst du nicht. Du willst es auch nicht sehen. Denn alles, was du siehst, bist du selbst und die Menschen, die genauso sind wie du. Du merkst nicht, dass du einen großen Teil deiner Einzigartigkeit verlierst. Denn du passt dich lieber der Masse an um dazu zu gehören. Um wer zu sein. Um beliebt zu sein. Da ist es dir egal, ob du dich verstellen musst. Und du verstellst dich solange bis du zu der Person wirst, die du vorgibst zu sein. Du gibst einen Scheiß auf den Charakter eines Menschen, denn das Wichtigste an einem Menschen ist für dich sein Äußeres. Gut gebaut. Perfekt gestylte Haare. Schlank und Schön. Mit Muskeln bepackt oder das Gesicht bemalt. Die Natürlichkeit ist dein Feind. Und was schimpfst du, wenn dich jemand verletzt! Wenn die Person, die du zu lieben glaubst, dich hintergeht und verlässt. Warum tut diese Person dir das an? Weil sie so ist wie du. Sie spielt nur mit dir und ignoriert die Konsequenzen. Wie wäre es, wenn du, bevor du nach drei Minuten eures Kennenlernens 'Ich liebe dich' sagst, erst einmal einen Blick hinter die Fassade wirfst? Oder einfach mal deine Vorurteile fallen lässt. Aber das geht für dich nicht. Niemals. Wer nicht abgemagert ist, ist für dich fett. Wer nicht aussieht wie ein Model ist hässlich. Wer sich selbst treu bleibt und sich nicht verstellt ist ein Freak. Das sind die unangefochtenen Regeln in deiner Welt. Was bin ich froh in meiner eigenen zu leben und nicht wie du zu sein!
In der Nacht
Wieder liege ich wach. Warum kann mein Kopf nicht einfach still sein? Ich denke zu viel. Ich sehe zu viel. Verliere ich den Verstand? Wenn mein Blick den Spiegel trifft, erwarte ich eine Gestalt im Spiegel zu erblicken, die hinter mir steht und die mich düster anschaut. Ich fühle Berührungen die nicht da sind. Ich sehe Schatten, die durch mein Zimmer huschen. Mein Körper spielt mir Streiche. Waren das gerade Schritte? Haben dort in der Ecke eben Augen aufgeblitzt? War da nicht ein leises flüstern? Das Haus knackt. Mein Herz überschlägt sich. Mein Fenster beschlägt und in dem trüben zeichnet sich ein Ausrufezeichen ab. Das bilde ich mir diesmal nicht ein! Ich kuschel mich fest in meine Decke, so als ob sie jede Gefahr von mir fern halten könnte. Ich schalte den Fernseher an. Ablenkung. Als die ersten Sonnenstrahlen die Erde berühren kann ich das Licht aus machen und den Fernseher abschalten. Doch das Gefühl beobachtet zu werden und nicht allein in meinem Zimmer zu sein verlässt mich nicht.
Abonnieren
Posts (Atom)


